Politik ist keine Bockjagd.

Politik ist keine Bockjagd.

«Ein komplexes Problem mit einer einzigen Zahl lösen zu wollen, überzeugt mich nicht.» Am 1. Mai begann im Aargau die Bockjagd. Für uns Jägerinnen und Jäger ist das ein besonderer Tag: frühmorgens im Wald, ruhig, kühl und klar. Doch im Verlauf des Jagdjahres verändert sich oft der Blick. Plötzlich zählt nur noch die Abschusszahl – nicht mehr die Realität draussen im Wald.
Am 14. Juni stimmen wir in der Schweiz ebenfalls über eine Zahl ab: zehn Millionen Menschen. Die SVP will festschreiben, wie viele Menschen in der Schweiz leben dürfen – als liesse sich ein Land wie ein Jagdrevier bewirtschaften.
Ich bin eine bürgerliche Politikerin und sehe die Herausforderungen des Wachstums: volle Züge, steigende Mieten, Wohnungsmangel und Druck auf Infrastruktur und Landschaft. Diese Sorgen sind real. Aber ein komplexes Problem lässt sich nicht mit einer starren Zahl lösen.
Die Initiative würde einen Automatismus auslösen: Wird die Grenze überschritten, müsste die Schweiz internationale Abkommen kündigen – mit Folgen auch für die Personenfreizügigkeit und die Bilateralen I.
Bürgerliche Politik setzt auf Stabilität, Eigenverantwortung und pragmatische Lösungen. Die Schweiz braucht Menschen, die hier arbeiten, und stabile Beziehungen zu Europa. Beides leichtfertig aufs Spiel zu setzen, ist keine Lösung.
Bei der Jagd mag eine Abschusszahl sinnvoll sein. Aber ein Land ist kein Revier. Und Menschen sind kein Wild.

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